Mike Phelps ist sein Vorbild

Schwimmen Jan This Aebersold ist ein Versprechen für die Zukunft

An den Schweizer Meisterschaften in Lancy (Genf) gewann das Nachwuchs- team des Schwimmklubs Langenthal Mitte Juli zehn Goldmedaillen. Jan This Aebersold stand wie seine gleichaltrige Kollegin Véronique Löffler viermal zuoberst auf dem Podest. Zudem sicherte sich der Crawlspezialist den Selektionswert für das Nationalkader seiner Altersklasse.

BRIGITTE MEIER

«Crawl ist die Disziplin mit der dynamischsten Technik und da schwimme ich am schnellsten», sagt Jan This und seine Augen strahlen. An den Nachwuchstitelkämpfen in Lancy eroberte er vier Goldmedaillen über 100, 200, 400 und 800 Meter Crawl. Der 14-jährige Aarwanger «Goldjunge» gilt als Ausnahmetalent und verfügt über ein grosses Potenzial. Mit der Selektion für das Nationalkader hat er einen wichtigen Schritt getan. «Das war absehbar, wenn man die bisherige Entwicklung betrachtet», sagt er erstaunlich abgeklärt. An der Jugend-EM kann er erst ab 16 Jahren teilnehmen. Bereits jetzt darf er aber den roten Trainingsanzug mit dem Schweizer Logo tragen. So wie sein Klubkollege und Vorbild Sven Pfeuti, der dieses Jahr bereits an der EM in Antwerpen teilgenommen hat. Sein grösstes Idol ist allerdings der 17-fache Schwimm-Weltmeister Mike Phelps. Mit seinem Körperbau und einer Grösse von 185 cm erinnert Jan This an den amerikanischen Topstar.

Jetzt ins Sportgymnasium

Für den Aarwanger steht der weitere Verlauf seiner Karriere bereits fest: «Nächstes Jahr besuche ich das Sportgymnasium. Nach der Matura möchte ich in Amerika studieren und vor allem trainieren.» Das tönt alles einfach und logisch. Was Jan This dafür leistet und auf was er verzichtet, davon spricht der 14- Jährige nicht. Trotz aller Zielstrebigkeit und viel Ehrgeiz wirkt er sensibel und bescheiden. Durch den Sport gewinnt er nicht nur Medaillen, sondern auch Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und Lebenserfahrung: «Das internationale Schwimm-Meeting in Berlin zählt zu meinen schönsten Erlebnissen. Dort musste man sich englisch verständigen und lernte neue Leute kennen».

Kiloweise Pasta verdrückt

Begonnen hat alles mit dem MuKi-Schwimmen. Heute trainiert der 14-Jährige bis achtmal pro Woche und seine Mutter Marianne begleitet ihn oft an die zahlreichen Wettkämpfe. Gemäss Marianne Aebersold ist vor allem die Ernährung vor einem Wettkampf wichtig: «Vor den Schweizer Meisterschaften wohnte ein Teilnehmer aus Lichtenstein einige Tage bei uns. Da kochte ich Pasta, kiloweise und in allen Variationen», erinnert sie sich lachend. Jan This schätzt die grosse Unterstützung seiner Familie. Seine jüngeren Brüder Tim und Andri sind ebenfalls sportlich und spielen Unihockey bei ULA Langenthal-Aarwangen. Anfänglich interessierte sich Jan This für Triathlon. Weil er dafür zu jung war, konzentrierte er sich aufs Schwimmen. Laufen und Biken gefallen ihm nach wie vor und gehören zum polysportiven Training.

Mit der Qualifikation für das CH-Nationalkader sind zusätzliche Trainingseinheiten unumgänglich. Für Jan This völlig selbstverständlich. «Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, zudem macht mir Schwimmen nach wie vor Spass», sagt der Blondschopf und freut sich auf das Herbst-Trainingslager in Spanien. Zu seinem Trainer Michel Tavcar hat er ein gutes Verhältnis. «Mischu ist streng, aber auf eine gute Art. Er verlangt Leistungsbereitschaft und totalen Einsatz. Das braucht es», erklärt er. Dass daneben wenig Platz bleibt für Ausgang und Freizeit, stört ihn nicht. Beharrlich verfolgt er seine grossen Ziele: das Youth Olympic Festival 2009 und die Jugend-EM 2010.


Erfolg kam mit Hardliner Michel Tacvar

Die Stärke des SKL-Nachwuchses wird mit dem 2. Rang im Medaillenspiegel der SM dokumentiert, aber auch darin, dass mit Sven Pfeuti und Jan This Aebersold zwei Junioren dem Nationalkader angehören. Headcoach Michel Tavcar hat das Team im Herbst 2001 übernommen und vertritt eine Hardliner-Philosophie. Als massgebliche Gründe für den Erfolg nennt er die sukzessive Nachwuchsförderung mit einer gezielten Trainingssteuerung. «Damit die Topform genau auf den richtigen Zeitpunkt erreicht wird, fährt man mit dem Training zurück und reduziert die Schwimmkilometer. Erholungsphasen vor wichtigen Wettkämpfen sind notwendig», erklärt der Trainer, der regelmässigen Kontakt mit Eltern und Schule pflegt. Die Trainings sind frühmorgens, über den Mittag und am Wochenende angesetzt. Ohne diesen Aufwand sind im Leistungsport keine Erfolge möglich: «Es sind die Sportler, die etwas erreichen wollen und bereit sind, ihr Leben nach dem Schwimmen zu gestalten.» Als ehemaliger Spitzenschwimmer hat Michel Tavcar ein Auge für Talente. Er attestiert sowohl Véronique Löffler wie Jan This Aebersold Chancen, sich zu etablieren: «Dank seinen optimalen körperlichen Voraussetzungen und seinem Willen kann Jan This seine Ziele verwirklichen. Er muss mental noch stärker werden, internationale Anforderungen sind enorm.»

© | Ausgabe vom 30.08.2007



20.10.2007
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